Kategorie-Archiv: Leben und Wohnen

Große Handys sind Senioren angeblich peinlich

Heute berichtet das Darmstädter Echo, dass Senioren große Handys angeblich peinlich seien. Diese Feststellung führte zu einer ungewöhnlichen Diplomarbeit für Moritz Keck. Der junge Mann entwickelt eine Software, mit deren Hilfe die Bedienung des iPhones für ältere Menschen einfacher gemacht wird. Das ist auf jeden Fall eine sinnvolle Sache, die allerdings mit speziellen Seniorenhandys konkurrieren dürfte, da nicht jedes Seniorenhandy wirklich groß und klobig ist. Dennoch macht der junge Student seine Sache so gut, dass er bereits einen Usability-Preis für seine Software gewonnen hat!

Darmbach

Wer den Herr(e)ngarten als Verkehrsweg nutzt oder dort einfach nur gerne spazieren geht, dem dürfte ein schmaler blauer Streifen aufgefallen sein, der keineswegs linear das Gras begleitet überzieht und schließlich im stehenden Gewässer endet. Das Ende lässt dann auch keinen Zweifel daran das der blaue Streifen auf grösstenteils grünem Grund einen Bach symbolisieren soll. Um genau zu sein den Darmbach. Der Rinnsaal wurde, wie kürzlich in der lokalen Presse sehr bildlich beschrieben, zum Opfer seiner eigenen Anziehungskraft: Er verkam, trug Müll durch die Stadt. Schließlich wurde er zum Großteil vertunnelt und soll – so die Erzählung der stets gut unterrichteten Lokalpresse – nun endlich wieder befreit werden.

Darmstadt hat hierzu einen eigenen Projektleiter bestellt, Ullrich Ranly vom städtischen Straßenverkehrsamt ist der Glückliche. Warum gerade das Straßenverkehrsamt hier einen Mitarbeiter abstellen muss, erschließt sich mir nicht im ersten Moment – als Verkehrsweg kann der wenige Zentimeter breite, weniger Zentimeter tiefe Rinnsaal kaum gelten. Die Zuständigkeit und die Eile mit der das Projekt jetzt vorangetrieben wird, erklärt sich vielmehr aus den sich neu gestaltenden Verkehrswegen der Stadt einerseits. Gerade der Stadtkern ist seit Jahren mit der ewigen Baustelle Berlin vergleichbar, es reiht sich Baugrube an Baugrube und Straßenzug um Straßenzug wird neu gestaltet. Es ist nur verständlich das in diesem Zuge nicht nur neue Leitungen gelegt werden, sondern auch die klamme Wissenschaftsstadt Darmstadt von den Abwassergebühren, die sie wegen der Verlegung in den Untergrund zu zahlen hat, befreit wird.
Bei 2,2 Millionen Euro im Jahr für die Einleitung des Darm- und Meiereibachs in den Kanal sollen die Kosten in Höhe von knapp zehn Millionen in fünf Jahren wieder reingeholt sein. Das allerdings ist nur Augenwischerei, denn selbst der Projektverantwortliche rechnet vor das jeder Bürger, also 140000 Köpfe, deswegen mit einer etwa zehn Euro höheren Gebühr für die Abwasserreinigung zu rechnen hat. Multipliziert man jetzt die Bevölkerngszahl mit der Gebührendifferenz kommt man auf 1,4 Millionen Euro Mehrkosten für den Bürger. Es findet also eigentlich nur eine Verschiebung der Kosten zu Gunsten des Stadtsäckel statt.

Andererseits, ein weiterer Grund für das an den Tag gelegte Tempo dürfte die kürzlich geschlossene Koalition zwischen SPD, Grünen und den Liberalen sein. Die Koalitionsvereinbarung lässt nicht nur viel Spielraum für die Verantwortlichen, sondern erzwingt gleichzeitig auch kurz-, mittel- und langfristige Ergebnisse, damit die Koalitition die ersten Querelen übersteht. Der Darmbach ist Teil der Koalitionsvereinbarung.

Stellt sich nur die Frage woher das Wasser in Sommermonaten wie diesem Juli kommen soll. Hierzu hat man sich zweierlei ausgedacht: Für den kurzen Abschnitt, der in der ersten Bauphase geplant ist, reicht es aus Regenwasser auf dem Dach des derzeit neu entstehenden Kongresszentrums Darmstadtium zu sammeln und zuzuführen. Und wenn es doch einmal knapp wird kippt man einfach ein wenig Trinkwasser hinterher. Was genau das kosten wird habe ich gleich mal beim zuständigen Projektleiter nachgefragt, mal sehen ob und wann eine Antwort kommt. Bei der projektierten Nordostumgehung hat man die Folgekostenabschätzung auch ein klein wenig schleifen lassen.