Archiv für den Autor: udosj

Jesus entführt!

Gewitzelt hatte ich vergangene Woche noch darüber Jesus aus der Krippe zu entführen, bei meinem ersten und einzigen Glühwein des Jahres auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt. Es machte mich eben traurig, das auf wenigen Quadratmetern zusammengepferchte Ensemble der Kleinfamilie aus Betlehem. Aber ich hätte den Scherz nie ausgeführt, und habe für die Tatzeit auch ein Alibi. Trotzdem: Jemand hat Jesus entführt. Wie schon zwei Jahre zuvor hat sich auch dies Jahr jemand die Holznachbildung des Kleinen im Wert von 5.000 Euro zu entführen. Meine Bitte angesichts des nahenden heiligen Abends: Bringt Jesus zurück! Und lasst Maria heile. Man muss Weihnachten nicht mögen und kann den Weihnachtsmarkt ignorieren. Aber all jenen die sich auf eine harmonische und friedliche Zeit im Kreise der Liebsten freuen, denen sollte man diese Zeit auch gönnen.

4711 aus Köln nach Darmstadt und zurück

Das lies den Kölschen Jung und zugezogenen Heiner aufhorchen: 4711 wurde verkauft. Echt Kölnisch Wasser gehörte offensichtlich der Darmstädter Wella AG. Damit war nicht nur ich über Umwege nach Darmstadt gekommen, auch das Kölner Duftwasser. Und jetzt verlässt es mich wieder, Richtung Aachen. Dort, unweit meiner Heimatstadt, hat der neue Besitzer seinen Sitz. Produziert wird weiterhin in der Metropole am Rhein. Vielleicht sollte ich auch wieder zurückkehren? Ach was, ich fühle mich wohl hier in Darmstadt! Aber Heimweh habe ich schon manchmal. Vielleicht kauf ich mir zu Weihnachten ein Fläschchen Heimat.

Pillhuhn

Bei Hefeweizen und Bratwurst hörte ich am Sonntag das erste Mal davon: Das Pillhuhn habe geschlossen. Kann eigentlich nicht sein, dachte ich mir. Die urige Kneipe am Darmstädter Riegerplatz, im Herzen des Martins- oder – wie es die Einheimischen nennen – Watzeviertels ist ein Unikum. Nicht vergleichbar mit jenen Lokalen die allerorten aus dem Boden schießen und meist genau so schnell wieder verschwinden, hip und trendy, vom Thema immer anders aber doch irgendwie alle gleich. Das Pillhuhn konnte man aufsuchen, wenn man an Weihnachten nach Feierabend nicht allein sein wollte. Oder um sich den Spiegel lesend die gleichen Themen um die Theke herum einmal mehr, einmal weniger alkoholisiert anzuhören. Oder um Tischkicker zu spielen. Eben einfach urig, und manchmal hatte man das Gefühl die gleichen Leute bei jedem Besuch wieder zu erkennen. Und drum frage ich mich: Was machen die jetzt eigentlich? Und vor allem: Wann macht das Pillhuhn wieder auf?

Teebraun vs. Weiß

Reizthema aktuell: Darmstädter Farbenkunde. Ich habe Joseph Beuys nie kennengelernt, noch den Block Beuys je besucht. Aber seit sich Darmstädter darum streiten ob es legitim ist, das einst Teebraun eingerichtete Ensemble auf weißer Wand zu präsentieren, dürften sich wieder mehr auch nicht so auf Kunst und Kultur fixierte Darmstädter fragen: Warum der Streit? Und sich einfach mal von der Ausstellung überzeugen. Ich werde mir jedenfalls demnächst mal ansehen, was Beuys vor die Jute-bespannte Wand gestellt hat, die sich damit und darum Teebraun gefärbt hat. Und wenn ich 2011 noch in Darmstadt bin, werde ich mir die Neuöffnung sicherlich auch zu Gemüte führen. Und kann dann selbst beurteilen wer Recht hatte, oder eben feststellen: Kunst ist eben Geschmacksache.

Mechanisch-elektrischer Nikolaus ohne Zulauf

Hätte man mich gefragt, ich hätte das voraussehen können: Kaum ein Kind würde sich vor einem mechanisch-elektrischen Nikolaus fotografieren lassen. Auf der Bühne die für B- und C-Klasse-Prominenz von Zeit zu Zeit die Welt bedeutet, inmitten des Besucherstroms, stand heute eben ein solcher Nikolaus. Davor kniete eine junge Dame, eine Spiegelreflexkamera umgehängt. Von Kindern weit und breit keine Spur, vermutlich immer noch nicht. Ein trauriges Bild allemal. Nächste Mal, mein Tipp: Einen echten Menschen in die Hülle packen, dann klappts auch mit den Kleinsten.

Straßenbahn nach Arheiligen vorübergehend eingestellt

10. Februar ist Fahrplanwechsel, früher hätte ich so was nicht erst durch die Zeitung erfahren. Und mir wäre auch nicht unverborgen geblieben, dass man die Darmstädter Peripherie einer ihrer wichtigsten Nabelschnüre für längere Zeit beraubt. Aber die Zeit vergeht und wird mir knapp, und so erfahre ich erst jetzt von der temporären Stilllegung: Bis Mitte 2008 mache der zweispurigen Ausbau der Straßenbahn deren Auszeit nötig. Die Straßenbahnen werden durch Busse in dichten Takt ersetzt. In dichten Takt! Klingt für mich nach vorauseilendem Gehorsam, als vermute man das Schlimmste. Kein Wunder, Arheiliger gelten als eigen. Und plötzlich nimmt man ihnen über ein Jahr ihre über 110 Jahre alte Straßenbahn. Ich wäre auch vorsichtig 😉

Stell Dir vor es ist Streik und kaum einer geht hin.

In der Presse wurde es grossartig angekündigt, Mediziner und Apotheker wollen heute abermals demonstrieren. Nun hatte ich im Vorbeifahren ich versucht genauer hinzusehen, aber keine der Apotheken war geschlossen. Sollte der Apothekerverband die Streikbereitschaft künstlich geschürt haben, um seine Interessen besser vertreten zu können? Erleichtert stellte ich fest das zumindest ein Apotheker Mitte 50 seine jungen Angestelten in der Bahnhofshalle um sich scharen konnte. In der Hand hielt er ein zusammengerolltes, maschinell erstelltes Transparent auf dem zumindest drei Buchstaben die kleine Gruppe outete: Apo stand nämlich ganz sicherlich nicht für ausserparlamentarische Opposition.

Andrea Ypsilanti wird neue Ministerpräsidentin von Hessen

Grad erfahren: Andrea Ypsilanti wurde soeben gewählt, gegen Roland Koch bei der nächsten Landtagswahl anzutreten. Und weil ich so überzeugt bin von der Frankfurterin habe ich gleich die richtige Überschrift gewählt: »Andrea Ypsilanti wird neue Ministerpräsidentin von Hessen« Vergangenen Samstag hatte es Jürgen Walter, der mit ihr in den Ring um die Kandidatur gestiegen war, verschissen: Meine Frage bei der Vorstellungsrunde, was seinen Sinneswandel in Sachen Studiengebühren veranlaßt habe, wurde von ihm einfach plattgebügelt. In der Nachbargemeinde wurde Andrea damit endgültig zu meiner Favoritin, und von Walter weiß ich was ich zu halten habe.

Park and buy

Es scheint als würde dieses Jahr tatsächlich eine Trendwende am Arbeitsmarkt eingeläutet. Die dadurch vermittelte positive Grundstimmung dürfte, gepaart mit der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung zum nächsten Ersten, die diesjährigen Weihnachtseinkäufe ankurbeln. Und damit man all die schönen Dinge nicht nur in die Tüten und auf den Weihnachtsmarkt sondern auch nach Hause bekommt, braucht man entweder starke Nerven am Taxistand oder der Bushaltestelle, oder eben das eigene Auto sicher verwahrt in der näheren Umgebug. In der City? Nie im Leben!

Stimmt nicht so ganz: Für nur zwei Euro gibts das jetzt einen Tag lang im städtischen Parkhaus Stiftstrasse, das mit kurzem Fussmarsch aus dem Zentrum zu erreichen sind. Die von der Stadt empfohlenen anderen Parkhäuser aber sind meines Erachtens eher aufgrund deren Lehrstands für die Weihnachtseinkäufe und den Weihnachtsmarkbummel empfohlen worden.

Umfrage zum Weihnachtsmarkt

Insbesondere bei jenen die den Weihnachtsmarkt meiden wie der Teufel das Weihwasser erhält er keine gute Bewertung, der Darmstädter Weihnachtsmarkt. Er schlängelt sich im Stadtkern an der Hauptverkehrsader des ÖPNV entlang, was ihn für Eltern herumtollender Kinder sicherlich ein Grund ist sich mit dem Nachwuchs eher Hand in Hand drüberhinweg denn durch ihn hindurch zu bewegen. Und für einen kurzen, erholsamen Abstecher nach den Weihnachtseinkäufen ist er dann nicht geeignet, wenn man die in Hessen seit diesem Monat gültigen neuen Ladenöffnungszeiten ausreizt.

Diesen und alle anderen Kritikpunkte kann man der Stadt jetzt kurz und schmerzlos in einer Umfrage zum Weihnachtsmarkt mit auf den Weg geben.

Veranstaltungshinweise für Silvester

Knapp einen Monat ist es noch bis Silvester, aber sobald der letzte Monat des Jahres angebrochen ist das Thema #1: »Und was macht Ihr an Silvester?« Aus der Liste die man der heutigen Tagespresse entnehmen konnte, habe ich einmal die meines erachtens vier herausragendsten Vorschläge herausgenommen:

Die persönliche Empfehlung erntet der Jagdhofkeller schon wegen der zu erwartenden Speisen und Getränke vom kürzlich neu eröffneten Restaurant Belleville .

Martinskerb 2006

Konnte man das als Forderung nach einem möglichst grossen Fussabdruck der hiesigen SPD innerhalb der seit kurzem regierenden Ampelkoalition verstehen? Die SPD Martins- und Johannesviertel, federführend Uschi und Katja aus dem dortigen Vorstand, hatten sich als Motto des in Ampel- und Raggaefarben geschmückten Fahrzeugs Mit viel Rot – der Kinder wegen. Der Wagen fand sich zwischen einem Oldtimer der Martinsstube und einem Pferdegespann vom
Fohlenhof wieder, beides lokale Lokale. Über dies wiederholten sich viele Teilnehmer nur, aber eine Immitation ihrer selbst ist nicht immer schlecht, nicht nur andernorts bezeichnet man das als Tradition. Und so traf man sich auch heute zum Frühschoppen in der Martinsstube, mit Spanferkel und bei Bier.

11. September

Heute jährt sich der 11. September, der Tag an dem Darmstadt von einem massivem Luftangriff der britischen Luftwaffe getroffen und sein Zentrum größtenteils zerstört wurde, zum 62. Male. Um 5 vor 12 schlugen die ersten Brandbomben in der Stadt ein und forderten seinerzeit tausende Menschenleben. Wenn sich die Darmstädter also am heutigen Abend versammeln und 5 Minuten vor Mitternacht die Glocken in der ganzen Stadt erklingen dann tun sie das zur Erinnerung an die vielen Opfer von und als Warnung vor Krieg und Terrorsmus.

Herr(e)ngarten

Wie heißt er eigentlich, der Herr(e)ngarten: Formell Herrengarten oder umgangssprachlich Herrngarten? Eigentlich müsste ich nur einen Fuss ein paar Mal vor den anderen setzen, und andersrum. Oder in die Pedale treten. Auf einem Straßenschild hab ich es schon einmal gesehen, die dann wohl offizielle Bezeichnung für den zentralsten Darmstädter Park. Mein Namengedächtnis hat mich wie immer verlassen und so dachte ich bei Google fündig zu werden. Lt. offizieller Website der Wissenschaftsstadt Darmstadt schreibt sich die Grünanlage 10:67. Ich hatte mir ein eindeutigeres Ergebnis erwartet. Jemand eine Ahnung wie sich der Herr(e)ngarten schreibt? Die Kommentare sind eröffnet!

Mahnmal mahnt zweifach

Hämmer sorgen in Darmstadt in letzter Zeit für erheblichen Ärger: Vor wenigen Tagen verletzte mit diesem Werkzeug ein inzwischen psyiatrisch eingewiesener Drogenabhängiger einen anderen. Und Mitte des Monats zerstörten alkoholisierte Jugendlichen ein Mahnmal am Darmstädter Güterbahnhof so stark das eine Reparatur nicht mehr möglich war. Not macht erfinderisch, und so einigte man sich darauf das Mahnmal, ergänzt um eine an den Amoklauf erinnernde Tafel, zunächst so stehen zu lassen. Die mit dem Panzerglas verklebten Scheiben auf dem Gleisstück mit Prellbock erinnern seither nicht mehr nur an das längst vergangene dritte Reich und seine Opfer, sondern vielmehr auch an die gleichwohl aktuelle Bedrohung, die Gewalt inmitten der Bevölkerung weilt und ausbricht wenn Drogen und Alkohol, Hoffnungslosigkeit und Existenzängste, manchmal aber auch einfach fehlender Bezug die Hemmungen nehmen die Gewalt anzuwenden.

Du bist die Zukunft.

Die SPD ist Mitgliederpartei, und als Mitgliederpartei verkraftet man Mitgliederschwund garnicht gut. Die von der Darmstadt-Dieburger SPD aufgelegte Aktion Du bist die Zukunft. (Website) wurde anscheinend auch von der Darmstädter SPD übernommen: Als ich heute auf den Bahnhof zufuhr war die Straße gesäumt von den Plakaten. Dabei hatte ich erwartet, das die Politik in der Stadt fürs laufende und kommende Jahr in eine Art Dornröschenschlaf verfällt. So kann man sich täuschen. Nettes Angebot übrigens!

Darmbach

Wer den Herr(e)ngarten als Verkehrsweg nutzt oder dort einfach nur gerne spazieren geht, dem dürfte ein schmaler blauer Streifen aufgefallen sein, der keineswegs linear das Gras begleitet überzieht und schließlich im stehenden Gewässer endet. Das Ende lässt dann auch keinen Zweifel daran das der blaue Streifen auf grösstenteils grünem Grund einen Bach symbolisieren soll. Um genau zu sein den Darmbach. Der Rinnsaal wurde, wie kürzlich in der lokalen Presse sehr bildlich beschrieben, zum Opfer seiner eigenen Anziehungskraft: Er verkam, trug Müll durch die Stadt. Schließlich wurde er zum Großteil vertunnelt und soll – so die Erzählung der stets gut unterrichteten Lokalpresse – nun endlich wieder befreit werden.

Darmstadt hat hierzu einen eigenen Projektleiter bestellt, Ullrich Ranly vom städtischen Straßenverkehrsamt ist der Glückliche. Warum gerade das Straßenverkehrsamt hier einen Mitarbeiter abstellen muss, erschließt sich mir nicht im ersten Moment – als Verkehrsweg kann der wenige Zentimeter breite, weniger Zentimeter tiefe Rinnsaal kaum gelten. Die Zuständigkeit und die Eile mit der das Projekt jetzt vorangetrieben wird, erklärt sich vielmehr aus den sich neu gestaltenden Verkehrswegen der Stadt einerseits. Gerade der Stadtkern ist seit Jahren mit der ewigen Baustelle Berlin vergleichbar, es reiht sich Baugrube an Baugrube und Straßenzug um Straßenzug wird neu gestaltet. Es ist nur verständlich das in diesem Zuge nicht nur neue Leitungen gelegt werden, sondern auch die klamme Wissenschaftsstadt Darmstadt von den Abwassergebühren, die sie wegen der Verlegung in den Untergrund zu zahlen hat, befreit wird.
Bei 2,2 Millionen Euro im Jahr für die Einleitung des Darm- und Meiereibachs in den Kanal sollen die Kosten in Höhe von knapp zehn Millionen in fünf Jahren wieder reingeholt sein. Das allerdings ist nur Augenwischerei, denn selbst der Projektverantwortliche rechnet vor das jeder Bürger, also 140000 Köpfe, deswegen mit einer etwa zehn Euro höheren Gebühr für die Abwasserreinigung zu rechnen hat. Multipliziert man jetzt die Bevölkerngszahl mit der Gebührendifferenz kommt man auf 1,4 Millionen Euro Mehrkosten für den Bürger. Es findet also eigentlich nur eine Verschiebung der Kosten zu Gunsten des Stadtsäckel statt.

Andererseits, ein weiterer Grund für das an den Tag gelegte Tempo dürfte die kürzlich geschlossene Koalition zwischen SPD, Grünen und den Liberalen sein. Die Koalitionsvereinbarung lässt nicht nur viel Spielraum für die Verantwortlichen, sondern erzwingt gleichzeitig auch kurz-, mittel- und langfristige Ergebnisse, damit die Koalitition die ersten Querelen übersteht. Der Darmbach ist Teil der Koalitionsvereinbarung.

Stellt sich nur die Frage woher das Wasser in Sommermonaten wie diesem Juli kommen soll. Hierzu hat man sich zweierlei ausgedacht: Für den kurzen Abschnitt, der in der ersten Bauphase geplant ist, reicht es aus Regenwasser auf dem Dach des derzeit neu entstehenden Kongresszentrums Darmstadtium zu sammeln und zuzuführen. Und wenn es doch einmal knapp wird kippt man einfach ein wenig Trinkwasser hinterher. Was genau das kosten wird habe ich gleich mal beim zuständigen Projektleiter nachgefragt, mal sehen ob und wann eine Antwort kommt. Bei der projektierten Nordostumgehung hat man die Folgekostenabschätzung auch ein klein wenig schleifen lassen.

Jeden Tag 3000 Schritte extra.

Unter diesem Motto lud Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und ihr ansonsten für Marschbefehle nicht zuständiges Bundesministeriums für Gesundheit heute die Darmstädter zu einer gesunden Mittagspause in den Herr(e)ngarten. Der Einladung folgten Hunderte, lt. Veranstalter insgesamt 700. Darunter neben Ulla Schmidt selbst die Justizministerin Brigitte Zypries, Oberbürgermeister Walter Hoffmann, Stadtrat Dieter Wenzel und die Stadtverordneten Monika Bradna und Sandra Russo, nicht zu vergessen zahlreiche Funktionäre Darmstädter Sportvereine.

An einem der wohl heißesten Tage des Jahres konnten sich aber nicht alle Anwesenden gleich überwinden eines der aufgebauten Zelte, die von Morgen- und Mittagshitze aufgeheizt waren, aufzusuchen und sich dort u.a. von der BKK Merck im Vorfeld untersuchen und beraten zu lassen. Auch als zur Einleitung Haltungs- und allerlei anderer Übungen auf der Bühne präsentiert wurden, blieben noch einige Gäste unbeeindruckt. Im wenig kühleren Schatten blieb auch ich zurück, werkelte mäßig erfolgreich an meinem soeben erheischten Schrittzähler herum. Auch die lokale Musikprominenz (Tommy and The Moondogs) sowie die sich peu á peu die Bühne erobernden Politiker und Sportfunktionäre wollten mich und die zahlreichen anderen Schattenhungrigen nicht so recht vom Hocker reißen.

Die Mehrzahl überwandt sich schliesslich ihre neuen Schrittzähler anzubringen und sich gemeinsam auf den geplanten Spaziergang zu begeben, als die Initiatorin den Spaziergang einleitete. Sie führte die Menge zunächst auf engstem Raum im Schritttempo vom Herr(e)ngarten-Café am See vorbei zur Großherzoglich-Hessische Porzellansammlung und in den angeschlossenen Garten, wo sich traditionell Gemüse und Blumen die Beete teilen. Vorbei am überdimensionalen Schachbrett, wartete auf die Mitläufer die erste Erfrischung und eine kleine Pause.

Durch die pralle Sonne mussten sich auch die zahlreichen Personenschützer in ihren Anzügen quälen.
Die Route sollte zum Schluss nur etwa 1400 Schritte auf meinem Schrittzähler bringen. Politik der kleinen grossen Schritte eben. Später dann offenbarte sich aber das die Position des kleinen Gerätes für dessen Ergebnis nicht unwichtig ist.

Übrigens: Kaum war der letzte Fuss vor den anderen waren Bilder und Statements der Gesunde Mittagspause auch schon im Internet. Alles in allem also eine gelungene Werbung für kreativere Gesundheitspolitik.

Sabine Seidler übernimmt Vorsitz im Haupt- und Finanzausschuss

Ich war nicht überzeugt ob es gelingen würde, zugegeben. Sabine Seidler wurde aber heute mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP zur Vorsitzenden des Haupt- und Finanzausschusses gewählt. Zur Erinnerung: Sabine Seidler, zur Spitzenkandidatin gekürt, wurde im Wahlkampf auf zahllosen Plakatwänden als fünfte von fünf Kandidaten in der rechten unteren Ecke präsentiert. Sie gab den Fraktionsvorsitz ab und machte damit für Hanno Benz Platz, den Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters. Sie unterlag bei der Wahl zur Stadtverordnetenvorsteherin und musste sich dann noch das Gezerre um den Vorsitz im Ausschuss antun. Der heutige Tag dürfte ihr etwas Genugtuung verleihen und für die Strapazen im vergangenen Wahlkampf entschädigen. Hierfür von mir: Herzlich Glückwunsch!

Mitgebrachte Speisen und Getränke dürfen nicht verzehrt werden!

Diesen Spruch kennt man aus Lokalen, zumeist von solchen unter freiem Himmel, oder jenen die nur vorübergehend eingerichtet werden.
In der Wissenschaftsstadt Darmstadt, mit seinen zahlreichen, in Kürze Studiengebühren-pflichtigen, Party-willigen Studentinnen und Studenten, mit den sich wie Perlen aneinander reihenden Veranstaltungen in der der Stadt und im Ballungsraum, würde ein kostenpflichtiges Schlossgrabenfest, wie es von den Veranstaltern im heutigen Darmstädter Echo angedacht wurde, abgestraft. Wollen wir hoffen, das trotz der vielen Selbstversorger die Stände und Buden genug verdient haben, um die Standgebühren im nächsten Jahr wieder zu rechtfertigen. Mehrtägige, innerstädtische Festivals mit Eintritt für Wenige mit Strassensperrungen und Lärmbelästigungen für Alle sind nicht vermittelbar.

Zum Zerbersten gefüllt.

Der Heiner, wie der Darmstädter sich selbst bezeichnet, mag es offensichtlich pünktlich: Eigentlich wollte ich meine Steuererklärung im Vorbeigehen einwerfen und sondierte die Füllmenge im Briefkasten der dem Bürgersteig am nächsten ist. Hier quollen die DIN A4 Umschläge zwar nicht hervor, die Hochwassermarke war aber bereits deutlich überschritten. Das selbe Bild an Briefkasten #2 und folgendem, erst als ich am letzten Briefkasten ankam war zumindest am rechten Rand kein Briefumschlag mehr zu entdecken und der Zugriff von Aussen damit schwieriger. Wenige Tage vor dem offiziellen Fristablauf stelle ich damit fest, das die Darmstädter ihre Steuererklärung gern pünktlich und fristgerecht abliefern.

Wir müssen draussen bleiben?

Darmstadt hat gewählt. Im März. Seine Stadtverordneten.

SPD und Grüne konnten bei dieser Wahl nicht die hauchdünne Mehrheit erlangen, die ihnen das Regieren im Stadtparlament beim letzten Urnengang 2001 ermöglichte. Die ging sogar während der Legislaturperiode verloren, mit einem Grünen. Mit ihm wiederum das Amt des Stadtverordnetenvorstehers, das nun mit Dr. Gehrke von der CDU besetzt ist. An die Spitze des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft lies sich, die inzwischen in die Niederungen der Kommunalpolitik zurückgekehrte, Ruth Wagner von der FDP berufen.

Der frisch gebackene Fraktionsvorsitzenden Hanno Benz muss nun zusehen das
die Sozialdemokraten auch zum Zug kommen. Ohne Stadtverordnetenvorsteher, maßgeblichen Aussschussvorsitz und Mehrheit wäre eine vernüftige Politik ebenso wenig zu machen wie mit wechselnden Mehrheiten. Der morgige zweite Anlauf für eine konstituierende Sitzung und damit die Wahl des Vorsitzenden im wichtigen Haupt- und Finanzausschuss wird zeigen ob die Drahtseile, die sich seit dem Wahlabend gespannt haben, halten.

Reißen sie wird sich ausserdem zeigen ob die teils innige Freundschaft zwischen Sozialdemokraten und Grünen in Darmstadt hält, den Grünen bliebe zum Machterhalt und zur Sicherung hauptamtlicher Magistratsmitglieder immerhin noch dievielbeschworene Jamaika-Koalition übrig … Wie bei der ersten Sitzung würden Sozialdemokraten draussen bleiben …

Ich hoffe das Beste.

Juli kam im Mai

Wetter ist Chefsache beim Veranstalter des Darmstädter Schlossgrabenfestes, so las man zuletzt vor sieben Tagen im Darmstädter Echo. Und das man darauf als einzigen Faktor keinen Einfluß habe. Dann wäre es doch angesichts der anhaltend schlechten Wetters für die Psyche der Beiden sicherlich besser gewesen die Wettervorhersagen zu meiden: Die Tage zuvor hatte es fast ununterbrochen geregnet und der Wind lies die Temperaturen auf herbstliches Niveau zurückgegefallen. Aber als sei Name Programm war beim Auftritt des Mainact Juli alles wieder gut, weil trocken. Auch die gefühlte Temperatur vor der Bühne nahm ob der Enge sicherlich deutlich zu. In diesem Moment aber schloss ich mein Fenster, nahm mir ein Buch zur Hand und kuschelte mich in meine Decke: Mein Besuch Africa-Festival zuvor hatte mich genügen Kraft gekostet.

PS: Das Wetter beim Schlossgrabenfest sah auch schon mal anders aus: Ich erinnere mich noch gut mitten in einer Knöchel- (Realist) bis Knie-hohen (Pessimist) Pfütze vor der Hauptbühne gestanden zu haben. Seinerzeit war Mia der Publikumsmagnet und eine zur Show passende natürliche Lightshow aus Blitz und Donner wirkte so gut wie fast gestellt.