Archiv für den Monat: Dezember 2006

Jesus entführt!

Gewitzelt hatte ich vergangene Woche noch darüber Jesus aus der Krippe zu entführen, bei meinem ersten und einzigen Glühwein des Jahres auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt. Es machte mich eben traurig, das auf wenigen Quadratmetern zusammengepferchte Ensemble der Kleinfamilie aus Betlehem. Aber ich hätte den Scherz nie ausgeführt, und habe für die Tatzeit auch ein Alibi. Trotzdem: Jemand hat Jesus entführt. Wie schon zwei Jahre zuvor hat sich auch dies Jahr jemand die Holznachbildung des Kleinen im Wert von 5.000 Euro zu entführen. Meine Bitte angesichts des nahenden heiligen Abends: Bringt Jesus zurück! Und lasst Maria heile. Man muss Weihnachten nicht mögen und kann den Weihnachtsmarkt ignorieren. Aber all jenen die sich auf eine harmonische und friedliche Zeit im Kreise der Liebsten freuen, denen sollte man diese Zeit auch gönnen.

4711 aus Köln nach Darmstadt und zurück

Das lies den Kölschen Jung und zugezogenen Heiner aufhorchen: 4711 wurde verkauft. Echt Kölnisch Wasser gehörte offensichtlich der Darmstädter Wella AG. Damit war nicht nur ich über Umwege nach Darmstadt gekommen, auch das Kölner Duftwasser. Und jetzt verlässt es mich wieder, Richtung Aachen. Dort, unweit meiner Heimatstadt, hat der neue Besitzer seinen Sitz. Produziert wird weiterhin in der Metropole am Rhein. Vielleicht sollte ich auch wieder zurückkehren? Ach was, ich fühle mich wohl hier in Darmstadt! Aber Heimweh habe ich schon manchmal. Vielleicht kauf ich mir zu Weihnachten ein Fläschchen Heimat.

Pillhuhn

Bei Hefeweizen und Bratwurst hörte ich am Sonntag das erste Mal davon: Das Pillhuhn habe geschlossen. Kann eigentlich nicht sein, dachte ich mir. Die urige Kneipe am Darmstädter Riegerplatz, im Herzen des Martins- oder – wie es die Einheimischen nennen – Watzeviertels ist ein Unikum. Nicht vergleichbar mit jenen Lokalen die allerorten aus dem Boden schießen und meist genau so schnell wieder verschwinden, hip und trendy, vom Thema immer anders aber doch irgendwie alle gleich. Das Pillhuhn konnte man aufsuchen, wenn man an Weihnachten nach Feierabend nicht allein sein wollte. Oder um sich den Spiegel lesend die gleichen Themen um die Theke herum einmal mehr, einmal weniger alkoholisiert anzuhören. Oder um Tischkicker zu spielen. Eben einfach urig, und manchmal hatte man das Gefühl die gleichen Leute bei jedem Besuch wieder zu erkennen. Und drum frage ich mich: Was machen die jetzt eigentlich? Und vor allem: Wann macht das Pillhuhn wieder auf?

Teebraun vs. Weiß

Reizthema aktuell: Darmstädter Farbenkunde. Ich habe Joseph Beuys nie kennengelernt, noch den Block Beuys je besucht. Aber seit sich Darmstädter darum streiten ob es legitim ist, das einst Teebraun eingerichtete Ensemble auf weißer Wand zu präsentieren, dürften sich wieder mehr auch nicht so auf Kunst und Kultur fixierte Darmstädter fragen: Warum der Streit? Und sich einfach mal von der Ausstellung überzeugen. Ich werde mir jedenfalls demnächst mal ansehen, was Beuys vor die Jute-bespannte Wand gestellt hat, die sich damit und darum Teebraun gefärbt hat. Und wenn ich 2011 noch in Darmstadt bin, werde ich mir die Neuöffnung sicherlich auch zu Gemüte führen. Und kann dann selbst beurteilen wer Recht hatte, oder eben feststellen: Kunst ist eben Geschmacksache.

Mechanisch-elektrischer Nikolaus ohne Zulauf

Hätte man mich gefragt, ich hätte das voraussehen können: Kaum ein Kind würde sich vor einem mechanisch-elektrischen Nikolaus fotografieren lassen. Auf der Bühne die für B- und C-Klasse-Prominenz von Zeit zu Zeit die Welt bedeutet, inmitten des Besucherstroms, stand heute eben ein solcher Nikolaus. Davor kniete eine junge Dame, eine Spiegelreflexkamera umgehängt. Von Kindern weit und breit keine Spur, vermutlich immer noch nicht. Ein trauriges Bild allemal. Nächste Mal, mein Tipp: Einen echten Menschen in die Hülle packen, dann klappts auch mit den Kleinsten.

Straßenbahn nach Arheiligen vorübergehend eingestellt

10. Februar ist Fahrplanwechsel, früher hätte ich so was nicht erst durch die Zeitung erfahren. Und mir wäre auch nicht unverborgen geblieben, dass man die Darmstädter Peripherie einer ihrer wichtigsten Nabelschnüre für längere Zeit beraubt. Aber die Zeit vergeht und wird mir knapp, und so erfahre ich erst jetzt von der temporären Stilllegung: Bis Mitte 2008 mache der zweispurigen Ausbau der Straßenbahn deren Auszeit nötig. Die Straßenbahnen werden durch Busse in dichten Takt ersetzt. In dichten Takt! Klingt für mich nach vorauseilendem Gehorsam, als vermute man das Schlimmste. Kein Wunder, Arheiliger gelten als eigen. Und plötzlich nimmt man ihnen über ein Jahr ihre über 110 Jahre alte Straßenbahn. Ich wäre auch vorsichtig 😉

Stell Dir vor es ist Streik und kaum einer geht hin.

In der Presse wurde es grossartig angekündigt, Mediziner und Apotheker wollen heute abermals demonstrieren. Nun hatte ich im Vorbeifahren ich versucht genauer hinzusehen, aber keine der Apotheken war geschlossen. Sollte der Apothekerverband die Streikbereitschaft künstlich geschürt haben, um seine Interessen besser vertreten zu können? Erleichtert stellte ich fest das zumindest ein Apotheker Mitte 50 seine jungen Angestelten in der Bahnhofshalle um sich scharen konnte. In der Hand hielt er ein zusammengerolltes, maschinell erstelltes Transparent auf dem zumindest drei Buchstaben die kleine Gruppe outete: Apo stand nämlich ganz sicherlich nicht für ausserparlamentarische Opposition.

Andrea Ypsilanti wird neue Ministerpräsidentin von Hessen

Grad erfahren: Andrea Ypsilanti wurde soeben gewählt, gegen Roland Koch bei der nächsten Landtagswahl anzutreten. Und weil ich so überzeugt bin von der Frankfurterin habe ich gleich die richtige Überschrift gewählt: »Andrea Ypsilanti wird neue Ministerpräsidentin von Hessen« Vergangenen Samstag hatte es Jürgen Walter, der mit ihr in den Ring um die Kandidatur gestiegen war, verschissen: Meine Frage bei der Vorstellungsrunde, was seinen Sinneswandel in Sachen Studiengebühren veranlaßt habe, wurde von ihm einfach plattgebügelt. In der Nachbargemeinde wurde Andrea damit endgültig zu meiner Favoritin, und von Walter weiß ich was ich zu halten habe.

Park and buy

Es scheint als würde dieses Jahr tatsächlich eine Trendwende am Arbeitsmarkt eingeläutet. Die dadurch vermittelte positive Grundstimmung dürfte, gepaart mit der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung zum nächsten Ersten, die diesjährigen Weihnachtseinkäufe ankurbeln. Und damit man all die schönen Dinge nicht nur in die Tüten und auf den Weihnachtsmarkt sondern auch nach Hause bekommt, braucht man entweder starke Nerven am Taxistand oder der Bushaltestelle, oder eben das eigene Auto sicher verwahrt in der näheren Umgebug. In der City? Nie im Leben!

Stimmt nicht so ganz: Für nur zwei Euro gibts das jetzt einen Tag lang im städtischen Parkhaus Stiftstrasse, das mit kurzem Fussmarsch aus dem Zentrum zu erreichen sind. Die von der Stadt empfohlenen anderen Parkhäuser aber sind meines Erachtens eher aufgrund deren Lehrstands für die Weihnachtseinkäufe und den Weihnachtsmarkbummel empfohlen worden.

Umfrage zum Weihnachtsmarkt

Insbesondere bei jenen die den Weihnachtsmarkt meiden wie der Teufel das Weihwasser erhält er keine gute Bewertung, der Darmstädter Weihnachtsmarkt. Er schlängelt sich im Stadtkern an der Hauptverkehrsader des ÖPNV entlang, was ihn für Eltern herumtollender Kinder sicherlich ein Grund ist sich mit dem Nachwuchs eher Hand in Hand drüberhinweg denn durch ihn hindurch zu bewegen. Und für einen kurzen, erholsamen Abstecher nach den Weihnachtseinkäufen ist er dann nicht geeignet, wenn man die in Hessen seit diesem Monat gültigen neuen Ladenöffnungszeiten ausreizt.

Diesen und alle anderen Kritikpunkte kann man der Stadt jetzt kurz und schmerzlos in einer Umfrage zum Weihnachtsmarkt mit auf den Weg geben.

Veranstaltungshinweise für Silvester

Knapp einen Monat ist es noch bis Silvester, aber sobald der letzte Monat des Jahres angebrochen ist das Thema #1: »Und was macht Ihr an Silvester?« Aus der Liste die man der heutigen Tagespresse entnehmen konnte, habe ich einmal die meines erachtens vier herausragendsten Vorschläge herausgenommen:

Die persönliche Empfehlung erntet der Jagdhofkeller schon wegen der zu erwartenden Speisen und Getränke vom kürzlich neu eröffneten Restaurant Belleville .