Das Darmstadt-Blog sucht Blogger

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2 Gedanken zu „Das Darmstadt-Blog sucht Blogger

  1. Hermann Gustav Neumann

    Guten Tag
    Ein kleiner Teil aus meiner Biographie – von mir ohne Kommentar, 11. Sept. 1944.

    Ich durfte dann schon zu den Pfimpfen , die Vorstufe zur Hitler Jugend. Eine braune Uniform und ein Halstuch, kurze Hosen, ein Gürtel mit dem Hakenkreuz drauf bekam ich vom Gruppenleiter.
    Arbeiten mussten wir Pfimpfen, mit den anderen Leuten die Trümmer wegräumen von den Bombenangriffen – manchmal lagen da auch noch Tote unter den Trümmern. Erwachsene und manchmal auch Kinder.
    Nahe der Trümmerhaufen von den Häusern standen von irgendeiner
    Organisation Gulaschkanonen. Dort konnte sich jeder der Hunger hatte,
    Erbsensuppe in einem Papierbecher holen. Kaffee gab’s auch.
    Viele der ehemaligen Bewohner der Häuser suchten auch in den Trümmer mit, um noch irgendetwas Brauchbares an Kleidung, Möbel oder Küchengeschirr zu finden. Nicht jedes Haus hatte Feuer gefangen, bei vielen hatten die Bombenexplosionen zu Trümmerhaufen ohne Brand geführt.

    Bei Häusern die da brannten, bekämpften die Männer und Frauen der
    Feuerwehr die Brände. Oft waren die Wasserleitungen zerstört, die Männer und Frauen der Feuerwehr hatten kein Wasser und mussten tatenlos zusehen, wie die Häuser abbrannten.
    Die Angriffe der feindlichen Bomber mehrten sich und nach jedem Angriff gab es ein paar Häuser mehr, die in Trümmer lagen oder brannten
    Mit dem Heckmann fahre ich an einem Morgen mit dem Lastwagen in die Innenstadt um die Menschen die ausgebombt waren, zu evakuieren. Die
    Menschen dort hatten bereits einige Tage notdürftig in den Trümmern gewohnt.

    Heckmann hatte so etwas Ähnliches wie ein Fahrbefehl dabei, auf dem stand wohin die Leute gebracht werden sollen. Nach außerhalb von Darmstadt in
    einen kleinen Ort in der Nähe Oberrammstadt. Gegen Abend waren wir mit den Leuten und ihren paar Habseligkeiten die sie retten konnten, dort angekommen.
    Bis dann noch alles abgeladen war, konnten wir erst sehr spät abends von
    Oberrammstadt nach Darmstadt zurückfahren.

    Als wir in Darmstadt in am Rande der Innenstadt fahren, heulten die Sirenen; ein Luftangriff steht bevor. Heckmann meinte, wir kämen da noch gut voran, bis die ersten Bomber kämen würde es noch über eine Stunde dauern. Wir fuhren weiter, Heckmann war der Annahme, dass wir schon zu Hause wären, bevor die ersten Bomber über Darmstadt wären.
    Wir fuhren den Bessunger Berg hinunter nun doch Richtung Innenstadt, das wäre kürzer, meinte Heckmann und wir wären schneller zu Hause.
    Plötzlich tauchten am Himmel um Darmstadt lauter bunte Lichter auf. Kaum waren diese zu sehen, flogen auch schon die Bomben.
    Die gaben so ein komisches, durchdringendes, pfeifendes Geräusch beim herunterfallen von sich, dass es einem eiskalt über den Rücken lief.
    Wie Blitze waren die Detonationen der Bomben zu sehen; ein dumpfer Knall
    nachdem anderen zu hören. Heckmann meint, das sind keine Bomben, das ist etwas anderes, das seien Luftminen, die würden solche Geräusche machen.
    .
    Beim Aufschlag auf der Erde platzten die Hüllen der Bomben auf, der Phosphor oder was es auch sein sollte, spritzte heraus, wurde freigesetzt. Kam das Zeug mit der Luft in Berührung, so brannte das sofort, manches sogar vorher. Heckmann konnte mir auch nicht sagen, was das war.
    Der Teer auf den Straßen brannte stellenweise lichterloh. Brennende Menschen, brennende Pferde, rannten über die Straßen, sprangen in die Löschwasserbecken.
    Pferde und Menschen schrieen durcheinander. Menschen die aus Richtung Innenstadt kamen und noch laufen konnten, liefen unserem Lastwagen hinterher und zogen sich über die Bordwände auf die Ladefläche. Ältere Männer, Frauen mit Kindern liefen um Hilfe schreiend hinterher. Heckmann, als er dies bemerkte, fuhr langsamer, hielt auch da und dort an, damit die Leute aufsteigen konnten. Die Ladefläche des Lastwagens war voll mit den Leuten, die das Glück hatten, aus dem Flammenmeer mit uns herauszukommen.
    Dass wir heil aus der Stadt herauskamen, das war nur der geschickten Fahrweise und der Ortskenntnis von Heckmann zu verdanken. Und dem großen Glück, dass wir gerade noch halbwegs am Rande der Innenstadt fuhren und die Reifen des Lastwagens kein Feuer vom teilweise brennenden Teer der Straße gefangen hatten.
    Nachdem wir aus dem größten Schlamassel heraus waren, konnten wir geradewegs über den Steubenplatz über die Landwehrstraße zu unseren Fabrikhallen fahren. Einige der Menschen die hinten auf dem Lastwagen saßen, waren verletzt, andere hatten Brandwunden.
    Wir kamen gegen zwei Uhr nachts dann in unserer Fabrik an und fuhren in die große Halle.
    Heckmann ging in den Saal der polnischen Fremdarbeiterinnen und sprach kurz mit denen. Die kamen auch sofort und leisteten erste Hilfen. Für die Brandwunden wurde irgendwoher Mehl besorgt – damit wurden die Brandwunden bestreut, was anderes war nicht da. Die polnischen Mädchen zerrissen ihre
    Betttücher, um die Verletzungen der anderweitig Verletzten zu verbinden.
    Die schwerer Verletzen und Kinder legten sie in ihre Betten. Schlafen konnte ich nicht mehr in dieser Nacht.
    Erst am Morgen kamen dann zwei Sanitäter mit Verbandszeug und Brandsalben.
    Am frühen morgen hörte ich aus einem Gespräch zwischen Assmuth und Heckmann, dass in der Rheinstrasse nachts ein Munitionstransport der Wehrmacht gestanden habe und deshalb hätten die Bomber die Stadt angegriffen. Das hätten wohl Spione denen verraten. Die Innenstadt wäre total zerstört, der Lange Ludwig wäre aber stehen geblieben. Tausende Menschen wären in den Kellern und Luftschutzbunker wegen der großen Hitze erstickt oder verbrannt.
    Das alles geschah im September 1944.
    Am morgen nach dem Angriff war ich dann wieder mit Heckmann unterwegs, unsere Firma musste den Lastwagen und auch den der von Assmuth gefahren wurde, zur Evakuierung der ausgebombten Bevölkerungen zur Verfügung
    stellen. Auch der Rene´, der Franzose musste mit der Zugmaschine und einem Anhänger losfahren.
    Was ich zu sehen bekam, konnte ich damals nicht richtig aufnehmen, nicht
    verstehen, oder ich hatte Angst, das verstehen zu wollen, ich weiß es nicht.
    Es gab nicht genug Helfer, um die Toten wegzuräumen. Wir fuhren an den
    auf dem Boden liegenden Menschen vorbei, die waren weder verletzt, haben nicht geblutet. Manche lehnten sitzend an den Hauswänden. Heckmann sagt, die sind tot, denen hat es die Lunge zerrissen von den Luftminen. Auch Kinder in Kinderwagen habe ich gesehen, man konnte nicht glauben, dass sie tot waren.
    Fast jede Nacht Fliegeralarm, heulende Sirenen, dann das Motorgebrumm der Bomber, aber nach diesem Großangriff flogen die Bomber fast immer über Darmstadt hinweg.
    Nachts hatte ich oft denselben Albtraum, ich sah in eine Flugzeugkanzel von vorne hinein, sah den Piloten der so etwas Ähnliches wie eine Gasmaske auf dem Gesicht hatte, ein Schlauch führte von der Maske aus nach unten. Ob das ein feindlicher Pilot, oder einer der unseren war, konnte ich nicht erkennen. Auch das Flugzeug habe ich nicht gesehen, nur immer den Blick von vorne in die Kanzel. Das war für mich ein bedrohlicher Anblick und flößte mir
    schreckliche Angst ein. Ich wachte oft schweißgebadet auf – erzählt habe ich niemandem davon, hätte mit eh keiner zugehört.
    Nie zuvor hatte ich bewusst ein solches Bild gesehen. Irgendwann waren dann diese Albträume vorbei und kamen nicht wieder.

    Einige Zeit später hörte ich von meinem Vater, dass das Fabrikgelände (wo wir ja auch gewohnt hatten) vor Bomben sicher sei. Die Bomberpiloten wüssten, dass da viele russische Kriegsgefangene untergebracht wären.
    Trotzdem beschloss der Vater, die Familie vom Fabrikgelände wegzubringen.

    Ihr
    Hermann Gustav Neumann

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